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Bye, bye liebes Unternehmer Tagebuch

Liebes Tagebuch,

so lautet der Anfangssatz aus meiner Kindheitserinnerung und hat rein gar nichts mit meinem heutigen Beitrag zu tun, also starten wir mal mit

Hallo liebe Leser!

Beginnen wir damit, dass ich Mitte diesen Monats mein Gewerbe abgestoßen habe. Mein Plan war es einen kleinen Laden von etwa 20 qm² unter unserer Wohnung ohne große Abhängigkeiten von Banken und Lieferanten im Spätsommer zu eröffnen und diesen “gesund” heranwachsen zu lassen. Zumindest sah dieser Plan in meiner Welt so aus.

Die Wahrheit ist aber Folgende

Jeder soll etwas verdienen, nur man selbst nicht. Zumindest als Kleinstunternehmer im Handel. Jede Woche kam von anderer Stelle “Fanpost”, wie viel Mitarbeiter man denn hätte, ob dort Familie beschäftigt ist. Von anderer Stelle kam “Beschreiben Sie ihre genauen Arbeitsabläufe um festzustellen, ob die Zuständigkeit richtig erfasst worden ist – Sie haben zwei Wochen Zeit”. Alle Briefe hatten etwas gemein – eine zweiwöchige Frist für die Beantwortung. Ich habe bis heute nicht geantwortet und mich für die Abmeldung meines Gewerbes entschieden.

Ich bin schon gespannt welche Post als nächstes eintreffen könnte, ich hatte eigentlich noch auf die Feuerlöscher-Sache mit jährlicher Wartung getippt, versichert muss man natürlich auch sein, denn es könnte ja jemand im Laden auf eine lose Fußboden-Latte treten und sich damit enthaupten. Bei Sturm könnte auch ein Kieselstein aus den ganzen trendy Steingärten durch’s Schaufenster fliegen und das gebrochene Glas verletzt dann den Kunden an der Halsschlagader. Es existiert zwar hartnäckig das Gerücht, dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren, aber ihr seht ja selbst, shoppen gehen ist gefährlich.

Heutzutage gar nicht so einfach im Handel… 

Für mich, der voraussichtlich und schätzungsweise vielleicht 2 x im Monat einen Topf Farbe und ein Möbel verkauft, plus die Beauftragung eines Steuerberaters ist diese Lebensweise weder lohnens- noch erstrebenswert.
Das verlorene Geld pumpe ich lieber in unser Freizeitvergnügen, da sind wenigstens alle happy. Ich kann jeden “popeligen” Unternehmer verstehen, der seinen Laden dicht macht oder jammert. Es ist ein Kampf und Krampf sowas als Einzelperson am Laufen zu halten oder gar zum Laufen zu bringen. Bei mir war es zum Beispiel so, dass im Umfeld jeder ganz positiv reagiert hat “cool”, ”toll”, ”aha”, ”interessant”. Nur leider habe ich bisher an Niemanden etwas verkauft.
Ich bin der Ansicht, dass es zu viele Regeln und Steine für Kleinstunternehmer gibt, unter denen die Lebensqualität leidet. Man denkt an rote und schwarze Zahlen und die ganzen offiziellen Stellen, die einen zur Kasse bitten und zu diesen ganzen Geschichten gesellen sich dann noch weitere Probleme hinzu, denn ein Unternehmen führt auch immer zu Meinungsverschiedenheiten in einer Partnerschaft. Denn häufig vermischt sich alles miteinander oder man fragt nach einem Rat und würde den Vorschlag selbst nie so umsetzen. Respekt, wenn Sie geschäftliches und privates voneinander trennen können, dann gehören Sie zu den wenigen Ausnahmen auf unserem Planeten.

Aber das ist noch nicht alles

Mein Mann hat diesen Monat seine Arbeit verloren, ziemlich uncool wenn das eigene Unternehmen dann nichts abwirft, sondern ein nur noch größeres Loch in die Haushaltskasse reißt. Doch er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hatte Glück, bald geht es wieder aufwärts. Allerdings war es nicht abzusehen, dass er so schnell eine neue und bessere Arbeit findet. Wir haben auch schon Gegenteiliges erlebt. Doch auch wenn ich es gewusst hätte, hätte ich das Gewerbe abgemeldet. Jeder versteht sicher das rote Zahlen keinen Spaß machen, außer man ist vielleicht Peter Zwegat. Ich betrachte es als weitere für mich nicht empfehlenswerte Erfahrung. In meinem Umfeld gab es ebenfalls einen Kenner, der mir abgeraten und das Beschriebene schon vorhergesagt hat. Für mich haben meine Erfahrungen auch wieder einiges geändert. Ich achte jetzt nochmal eine ganze Ecke mehr auf mein Kaufverhalten und kaufe bei den „Kleinen“ in meiner Stadt / auf meiner Straße. Was ich nicht bekomme oder nicht vorrätig ist, lass ich mir vor Ort bestellen, häufig ist das möglich. Ich denke über kurz oder lang werden diese kleine Lädchen wegbrechen, wenn kein Umdenken stattfindet. Das betrifft nicht nur den Kunden, sondern schließt die Regierung und deren Gestaltung für Mini-Betriebe mit ein. Nicht jeder Unternehmer hat „Bürokratie bis zum Umkippen studiert“ und wenn doch, dann finden sich diese Leute häufig an der Börse, im Bank -,Versicherungs-, und Immobilienwesen und schlagen sicher nicht den Weg eines kleinen Händlers ein. Für mich wäre hiermit das Kapitel als Kleinstunternehmer abgehakt und ein neues kann beginnen.

Viele Grüße und habt einen schönen Tag,
eure Natascha