Liebe Leserin,
lieber Leser,

heute möchte ein wenig über meinen Blog sprechen und die künftige Umstrukturierung die dich hier erwarten wird. Ich bin ein konsum- und  gesellschaftskritischer Mensch. Ich persönlich finde, dass eines unserer größten gesellschaftlichen Probleme darin besteht Dinge nicht zu hinterfragen. Die daraus resultierende Unwissenheit könnte uns eines Tages zum Verhängnis werden. Haben wir tatsächlich eine Wegschau-Mentalität?

So wie mein Blog bisher war möchte ich ihn nicht weiter betreiben.

Nähen macht mir immer noch Spaß – allerdings habe ich festgestellt, dass ich nur nähe, wenn wir auch wirklich etwas brauchen. Heißt, wenn mein Sohn z.B. einen Wachstumsschub hat, unsere Kleidung ausgebessert werden muss oder wir zu besonderen Anlässen eine Kleinigkeit verschenken wollen. Ich gehöre einfach nicht zu den Menschen, die jeden oder vielleicht auch jeden zweiten Tag etwas nähen. Wir brauchen keine
zig Hoodies, Kleider, Hosen usw. das würde auch gar nicht zu unserer Einstellung passen. Dennoch möchte ich meine Nähmaschine und Overlock nicht missen, ich habe damit schon etliche Dinge wie z.B. Jacken, Handtaschen und Schlafsäcke repariert und vor einer Entsorgung retten können. Die Anschaffung hat sich hier definitiv gelohnt.

Inzwischen schaue ich mit einem kritischen Auge auf die Nähszene.

Anfangs war ich total begeistert von der Kreativität und den Möglichkeiten, die sich mit diesem Hobby eröffnen. Je länger ich jedoch die Nähszene beobachte, umso mehr erinnert sie mich an die schnelllebige und oberflächliche Fast Fashion Branche. Ich war 15 Jahre im Fast Fashion Bereich tätig und habe jede Entwicklungsstufe hautnah miterlebt bis zu dem Punkt wie es heute ist. Meine Kollegen und ich waren pauschal gesagt hauptsächlich dafür da, die anprobierten Klamottenberge vom Boden aus den Umkleidekabinen herauszufischen. Die Wegwerfmentalität war in jeglichen Altersgruppen vertreten von Teenies, über Omas bis hin zu Mamas, die ihren Müll und die vollgeschissenen Windeln in den Umkleiden zum Wegräumen für uns hinterließen. Die Schnelllebigkeit, Ausbeutung und Oberflächlichkeiten mit denen ich mich tagtäglich rumgeschlagen habe, fingen an mich anzukotzen und ich entschied mich für einen Ausstieg. In der gesamten Zeit vor Rana Plaza, hatte nur eine Kundin „Made in Bangladesch“ hinterfragt und sich gegen einen Kauf ausgesprochen. Nach dem Unglück hat mein ehemaliger Arbeitgeber in Zusammenarbeit mit UNICEF eine „Runde deine Cents auf – Spendenaktion“ durchgeführt, ich habe ihn gefragt, ob mit den Spenden Rana Plaza wieder aufgebaut werden soll. Meine in diesem Bereich gesammelten Erfahrungen zeigen mir, wie unwissend doch die meisten von uns sind oder sein wollen.

Oder verschließen wir einfach nur die Augen weil es einfacher ist?

Ich sehe ganz viele Parallelen in Bezug auf Fast Fashion und den Stoffekauf. Ständig neue Stoffe, Kollektionen und allerlei Dinge, die den nächsten Kaufrausch in uns auslösen sollen – absolut nicht mein Ding. Ich fühle mich durch die Werbeflut die mich tagtäglich erreicht schnell reizüberflutet. Ich habe den Eindruck das es viele Menschen gibt, die sich durch den Kauf von Stoffen oder durch das Nähen von ihren eigentlichen Problemen ablenken oder besser gesagt sich damit ein Loch in einem unzufriedenen Leben stopfen wollen.

Wenn ich ständig Stoffe kaufe, kann ich dann nicht gleich Fast Fashion kaufen?

Wo da noch ein Unterschied liegt, weiß ich selbst nicht so genau. Beide Varianten schonen jedenfalls nicht unsere Ressourcen – ich betrachte sie als verschwenderisch. Es hat nicht lange gebraucht bis ich das „System Nähszene“ durchschaut habe und anfing dieses zu hinterfragen. Mein erster Beweggrund für meinen Einstieg war damals, dass ich mein Zeug selber nähe und niemand dafür ausgebeutet wird. Der zweite Beweggrund war meine Kreativität auszuleben und der dritte Beweggrund Unikate zu tragen, die beim Abverkauf der Stoffmengen nicht mehr wirklich welche sind. Ich habe nicht damit gerechnet wie sich dieses Hobby zu einem Teufelskreislauf verselbständigen kann indem sich alles nur noch um kaufen, kaufen, kaufen dreht.

Woher kommt mein Stoff?
Wer stellt ihn her?
Wie wird er gefärbt?
Wird die Farbe anschließend in den Fluss gekippt?
Was passiert mit den Klamotten, wenn das Bild für Instagram im Kasten ist?
Unterscheidet sich die Nähszene von der Fast Fashion Branche?

Fragen über Fragen, aber eine Sache ist mir klar geworden. Unsere Gesellschaft neigt zum schnellen Konsum, Fast Life, Fast Food, Fast Fashion, Fast Fabric. Höchste Zeit für mich die Reißleine zu ziehen! An dieser Stelle möchte ich noch die Dokumentation „The True Cost“ empfehlen.

Ich wünsche dir eine schöne Zeit!

Viele Grüße
Natvana