Mit Vollgas vor die Wand

Hallo meine Lieben, schön das ihr wieder rein schaut.

Wie ihr sicher schon gemerkt habt, war es hier die letzte Zeit etwas ruhiger. Ich hatte so viel um die Ohren und bin mental auch ein bisschen ausgelaugt. Deswegen nutze ich diese kurze Ruhephase, um hier einen kleinen Beitrag von meinen Neuigkeiten zu veröffentlichen.


Vorgeschichte

Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und sträubte mich bisher immer davor ein Hausbesitzer zu werden. Nicht wegen dem Risiko und den Kosten, sondern wegen der Verantwortung und vor allem aus Flexibilitätsgründen. Ich habe in Fröndenberg, Brühl, Hamm und Dortmund gewohnt, war ne zeitlang in Bonn und Karlsruhe unterwegs und bin zuletzt knapp 10 Jahre zwischen Dänemark und Hamburg hängen geblieben. Dort haben mir die Menschen und die Geografie am besten gefallen. Ich brauchte viele Jahre, um mich hier mit den Bergen und der sauerländischen Holzkopf-Mentalität zu arrangieren. Es gab Tage, an denen ich an eine Rückkehr in den Norden dachte, dort sind es dann die Fischköppe ;-). Dann, vor ein paar Wochen hat sich meine Haltung verändert, ich denke das ich hier nach bald 6 Jahren angekommen bin. Jedenfalls kann ich mir nun vorstellen, mich hier häuslich nieder zu lassen.

Umfeld

Ja, in meinem Umfeld geht es sehr gemischt zu. Von „bist du verrückt, wir werden bald alle enteignet“ über „wir stehen bald vor dem 3. Welt- oder Bürgerkrieg“ bis „ja, beste Zeit um sich ein Haus zu kaufen“. Anhand der Reaktionen seht ihr schon, wie unterschiedlich die Stimmung bei den Leuten ist. Dann gibt es noch die Sorte „Haus kaufen? Lohnt sich nicht“.
Das sehe ich anders, denn wenn man in der Rente keine Miete zu zahlen hat, ist man finanziell einfach besser aufgestellt, es sei denn der Staat oder die Bank reißt sich das Haus unter den Nagel. Ich selbst bin positiv gestimmt. Natürlich herrscht im Moment eine raue Zeit, aber das hält mich nicht davon ab Pläne zu schmieden und meine Ziele zu verfolgen. Das Land wird sich auch wieder erholen und inzwischen konsumiere ich noch weniger Nachrichten als je zuvor, weil ich meine wertvolle Zeit mit dieser medialen Stimmungsmache nicht vergeuden möchte. Ich hatte noch nie eine gute Meinung über Politik. Es gibt ein paar einzelne Politiker aus verschiedenen Parteien, mit denen ich einer Meinung bin aber im Großen und Ganzen ist Politik für mich einfach nur eine überbezahlte Lobby, voller handlungsunfähiger Schreibtischhengste und Theoretiker. Wir verfügen einfach nicht mehr über politische Größen wie Helmut Schmidt, Genscher usw.
Mein Mann liegt mir immer in den Ohren, dass ich in die Politik gehen solle „ich wäre wie dafür gemacht“ ,vor allem weil ich mich gern darüber auslasse – aber ich möchte mit dieser geschmierten Vetternwirtschaft nichts zu tun haben. Genug debattiert, zurück zum Thema Haus.

Klar kennen wir Hausbesitzer, die hier und da ins Schwitzen kommen – diese Zeiten gibt es, aber sie gehen auch vorbei, spätestens wenn die Kinder aus dem Haus sind und da ist die Überlegung, eine verhältnismäßig kurze Durststrecke zu haben oder eine Phase, die ab Renteneintritt bis open End andauert. Also stand der Entschluss fest „Jepp, es ist so weit. Häusle, Häusle, Häusle kaufen“.


Hauskauf in Coronazeiten

Mental empfinde ich die Haussuche als unheimlich anstrengend. Ich hatte was Ansprechendes gesehen, da stand im Kleingedruckten Erbpacht. Drei Frauen-Generationen lang, meine Ur-Oma, Oma und Mutter, natürlich mütterlicherseits haben mir als Kind schon Folgendes gesagt „Wenn du keine Probleme hast und welche willst, dann mach Generationen-Wohnen und/oder Erbpacht.“ Ich halte mich also an die Empfehlung dieser drei weisen Frauen und schließe diese Gegebenheiten grundsätzlich aus.

Als nächstes besichtigten wir ein Objekt, was sich als Schimmelhochburg herausstellte. Als ich nur einen Fuß in den Keller setzte, vernahm ich schon den süßlich-muffigen „Wohlgeruch“ von Schimmelpilzen und als sich gezeigt hatte, dass mein Mann in den ersten beiden Geschossen nicht aufrecht stehen konnte, war es ganz vorbei. Dieses Zwergen- oder Hobbithaus konnte man als erledigt betrachten.

Als nächstes folgte ein Objekt, wo zwischen Makler und Verkäufern kein Austausch stattfindet, heißt das Objekt ist inseriert aber kaufen kann man es trotzdem nicht.

Haus & Hausausgaben

Und plötzlich hat sich ein vielversprechendes Objekt ergeben. Da war es, das potentielle Haus. Einem Verkauf wurde zugestimmt, ein Preis-Angebot stand. Also mobilisierten wir unsere Kräfte und bezogen eine Menge an Menschen in diesen Hauskauf mit ein. Ein befreundeter Architekt nahm sich zwei Stunden Zeit um alles mit uns durchzugehen und abzuchecken. Ein paar Sachen waren unklar und unser Freund empfahl uns einen Statiker hinzuzuziehen. Wir haben Termine mit Banken, Versicherungen, einem Gutachter und Statiker vereinbart, dafür hat sich mein Mann noch Urlaub genommen. Sprich, es wurden organisatorisch eine Menge Leute in unser Vorhaben rein gezogen um zwei Tage vor all diesen Terminen eine Absage von den Hausverkäufern zu bekommen, weil die Rezession nicht abzuschätzen sei. Tja, Happy Burstday denkt man sich da nur oder auch schöner Scheiß. Träumerisch, wie ich bin hatte ich mich schon mit einer Gartengestaltung auseinandergesetzt usw. also ein Haufen Zeit und Energie aufgewendet, um im Endeffekt eine Arschkarte zu bekommen. Meine Schlussfolgerung daraus ist, dass ich für besseres Karma mehr Räuchern muss. 😉 Es ist nun so wie es ist und ich bin und war schon immer ein Stehauf-Männchen. Die Suche geht also weiter.

Neue Perspektiven

Auch wenn das sicherlich keine schöne Erfahrung war, hat es mir neue Perspektiven eröffnet und mich neue Dinge gelehrt und ich bin, oder besser gesagt WIR haben uns entschlossen, unseren Fokus auf bauen/bauen lassen zu legen, weil a) kein Verkäufer mehr eine Abfuhr erteilen kann, b) wir ein Haus nach den neusten Standards bekommen und c) es uns von Anfang an so gestalten können, wie wir das wollen. Bei dem „Absage-Haus“ hätte viel getan werden müssen. Angefangen beim Dach, über Fassade und die offenen Statik-Fragen, die ja durch die Haus-Absage nicht weiter erörtert worden sind. Da lässt sich also gar nicht sagen, was das alles noch gegeben oder nicht gegeben hätte… Die Geschichte kann also auch als „Gutes Karma“ interpretiert werden, weil man nicht weiß was man sich da langfristig an Land gezogen hätte.

Meine Beobachtungen

Wenn auch du mit dem Gedanken an ein Eigentum spielst, möchte ich noch ein paar Beobachtungen mit dir teilen. Also der Immobilienmarkt scheint nicht unerheblich von der Medienpräsenz beeinflusst zu sein. Als in den Nachrichten die Rede davon war, dass da irgendein Politiker, ich glaube es war Gabriel, eine Einmal-Abgabe von 20.000€ pro Haushalt von den „Bessergestellten“ fordert, ich denke uns allen hier ist klar, um wen ich sich bei dem Begriff handelt, nämlich die, die die breite Masse ausmachen, die Mittelschicht, da konnte man plötzlich ganz viele voll vermietete Renditeobjekte auf dem Immobilienmarkt entdecken. Also die Leute haben überflüssigen Ballast abgestoßen, vielleicht auch um sich aus dem Staub zu machen. Als in den Nachrichten von der bombastisch schlimmen Rezession, die uns alle schlimmer treffen wird als der Urknall die Dinosaurier die Rede war, war der Markt plötzlich wie leer gefegt. Es waren deutlich weniger Häuser inseriert, weil spekuliert wurde, dass bei dieser Prognose Geld an Wert verliert und sich im Gegenzug der Wert eines Hauses steigert. Nun ja, der Markt ist insgesamt unruhig und richtet sich nach den Meldungen in den Nachrichten. Deswegen wäre bei diesem ganzen hin und her meine Empfehlung zu bauen oder sich erst zu freuen, wenn der Wisch vom Notar ausgehändigt wurde. Die Situation zeigt, dass man sich nicht auf Worte verlassen kann.

Ich wünsche euch ein schöne Wochenende und passt auf euch auf!
Eure Natascha